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Die lernende Schule

eTwinning hat Schulen miteinander verbunden, genau so, wie Städte Partnerschaften miteinander schließen, um Verbindungen zwischen Menschen aus aller Welt zu schaffen. Das Leitbild der eTwinning-Schulen sagt, dass eTwinning-Schulen inklusive und innovative Lernorganisationen sind, entwickelt diese Idee weiter und weist auf die Interaktionen und Dynamiken innerhalb von und zwischen Schulen als Lernorganisationen hin.

Seit 2005 ist erwiesen, dass sich Schulen, die Lernorganisationen sind, schneller anpassen als solche, die statisch und unveränderlich sind. Das geht aus einem Bericht der Arbeitsgruppe Aus- und Weiterbildung 2020 (1) hervor: „Die Schule als Lernorganisation bindet alle Mitarbeiter/innen in die Meisterung der Herausforderungen ein und vermeidet es, sich zu stark auf konventionelle Hierarchien zu verlassen, um die Selbstverantwortung zu stärken.“

Die lernende Schule prüft neue Ansätze, um das Lernen für alle Lernenden zu verbessern und konzentriert sich dabei auf sieben Bereiche OECD (2016) (2):

  • Entwicklung und Verbreitung einer auf das Lernen aller Schüler/innen ausgerichteten Vision – Orientierung und Motivation für nachhaltiges Handeln, um individuelle und schulische Ziele zu erreichen 
  • Schaffung und Unterstützung kontinuierlicher Lernmöglichkeiten für alle – Investition in Qualität, Chancen während des gesamten Berufsweges, so dass Lehrkräfte ihr berufliches Wissen vertiefen und mit den Schüler/innen lernen können
  • Förderung kooperativen Lernens unter den Mitarbeiter/innen – die Lehrkräfte arbeiten und lernen zusammen, vor Ort oder online, und Peer-Networking spielt eine wichtige Rolle für eine größere Professionalisierung
  • Schaffung einer Kultur des Entdeckens, Innovativseins und Erforschens – neugierig sein und Initiative und Willen zeigen, mit neuen Ideen und Verfahren zu experimentieren 
  • Integration von Systemen für das Teilen von Know-how und Best Practices – Schulen mit vielen Informationen produzieren und analysieren relevante Daten und nutzen sie für die Evaluierung von Lernergebnissen und die Auswertung des Lernprozesses 
  • Lernen mit und von der äußeren Umwelt einschließlich des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Hintergrunds – Aufbau von Partnerschaften mit Eltern und lokalen Gemeinschaften 
  • Lead-Learning vorleben und ausweiten – „Lead-Learners“ können die Bedingungen schaffen, damit andere es ihnen gleichtun können; Schulleitungen können Professionalität vorleben und fördern

Damit Schulen und Organisationen erfolgreich sein können, braucht es Vertrauen und beidseitiges Engagement im Sinne einer kooperativen Anstrengung. Die Teilnahme an eTwinning bietet diese Möglichkeit innerhalb einer europaweiten Lerngemeinschaft, in der die Meinungsvielfalt geachtet, Experimente gefördert und Erfolge belohnt werden.


Gute Beispiele aus der Praxis von eTwinning-Schulen:

Im Schuljahr 2019-2020 hat die Zentrale eTwinning-Koordinierungsstelle im Rahmen des Monitorings und der Entwicklung der eTwinning-Schulen eng mit sechs eTwinning-Schulen zusammengearbeitet.

In allen Schulen waren in gewissem Ausmaß die von der OECD als „lernende Schulen“ beschriebenen Elemente zu beobachten, die neue Ansätze für ein besseres Lernen aller Lernenden prüfen und sich auf die oben genannten sieben Bereiche konzentrieren.

Das Col legi Sant Josep in Navàs, Spanien, trat der „Escola Nova 21“ bei, einem Bündnis von Schulen und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen für ein fortschrittliches Bildungssystem, und verabschiedete ein Leitbild, das einige Elemente mit dem Leitbild der eTwinning-Schulen gemein hat. Das Leitbild des Col·legi Sant Josep stellt den Lernerfolg der Schüler/innen in den Mittelpunkt und dient als Leitinstrument für Lehrkräfte und Bezugspunkt für Eltern.

Das zweite Element von Schulen als Lernorganisationen, die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung und die Entwicklung der Mitarbeiter/innen, ist ein wichtiger Teil der Aktivitäten der Lehrkräfte der Direzione Didatica Ottavo Circolo, einer eTwinning-Schule im italienischen Piacenza. 2019 organisierten die beiden stellvertretenden Schulleiter/innen der Grund- und der Vorschule maßgeschneiderte Weiterbildungen, um die Teilnahme ihrer Kolleg/innen zu fördern und deren Wissen zu vertiefen. In der Schule wurde auf der Grundlage von zwei eTwinning-Projekten, welche die beiden entwickelt hatten, ein praktisches Training organisiert. 

Am Col·legi Sant Josep findet die Förderung von Lernen im Team und Zusammenarbeit im Rahmen von kooperativen interdisziplinären Projekten statt. Im Schuljahr 2019-2020 waren fast alle Klassen an einem interdisziplinären eTwinning-Projekt beteiligt. Jede Klasse war im Laufe des Jahres in kurze Aktivitäten eingebunden. So konnten die Lehrkräfte eng und interdependent zusammenarbeiten und Wissen und Kompetenzen teilen. 

An der Experimentellen Schule der Universität Thessaloniki sind Schüler/innen und Lehrkräfte angehalten, eine aktive Rolle zu übernehmen. Die Schule begründet durch vielfältige Aktivitäten innerhalb und außerhalb des Unterrichts eine Kultur des Entdeckens, Innovativseins und Erforschens. Die Schüler/innen werden in den Entscheidungsprozess eingebunden, indem sie eine Online-Schulung für ihre Eltern organisieren. Die Schüler/innen konzipierten und hielten eine Reihe von Online-Kursen (8 Lektionen) über Moodle zur Nutzung von IKT, zur DSGVO und zu E-Sicherheit, um die digitale Ausgrenzung von Erwachsenen zu bekämpfen. So übernehmen die Schüler/innen nicht nur eine aktive Rolle in ihrem Lernprozess, sondern werden auch zu aktiven Akteuren im Innovationsprozess der Schule.

Die Dr. İlhami Tankut Anadolu Lisesi, eine eTwinning-Schule im türkischen Antalya, ermutigt ihre Schüler/innen, im Rahmen von Schülerräten, die mit der Anwaltskammer der Stadt zusammenarbeiten, eine aktive Rolle im Entscheidungsprozess ihrer Schule zu übernehmen. Die Schule lernt mit und von der äußeren Umwelt und ist in die lokale Gemeinschaft eingebunden. So arbeitet das Lycée des métiers Louis Blériot, eine berufsbildende eTwinning-Schule in Trappes, Frankreich, mit Schüler/innen aus schwierigen Umfeldern und besonderem Förderbedarf. Die Schule organisiert Ausstellungen, und die Schüler/innen präsentieren ihre Arbeit in unterschiedlichen Veranstaltungen wie Erasmus+-Tagen, Europatagen oder der Erasmus+-Charta. Bei diesen Treffen und Veranstaltungen fungiert die Schule als Lernzentrum nicht nur für die Schülerinnen, sondern auch für ihre Eltern und die Öffentlichkeit.

Die Scoala Gimnaziala nr.17, Botosani in Rumänien ist ein Vorbild für andere Schulen und gibt Lehrkräften und sonstigen Mitarbeiter/innen der Schule die Chance, eine Führungsrolle zu übernehmen. Vor diesem Hintergrund kultiviert und entwickelt die Schule aktiv das Lead-Learning bei informellen und formalen Schulungen mit Unterstützung des Schulinspektorats. Die Lehrkräfte berichten von ihren Erfahrungen, beantworten Fragen, nehmen Anrufe entgegen, um Kolleg/innen an anderen Schulen zu helfen, organisieren Einzeltreffen und geben Beispiele aus ihrer eigenen Praxis. Sie organisieren Online-Veranstaltungen im Rahmen von eTwinning, zeigen ihre Arbeit und teilen Herausforderungen und Lösungen. 

Und schließlich haben alle sechs Schulen einen Schulentwicklungsplan ausgearbeitet. Der Plan beinhaltete das Zusammentragen und den Austausch von Wissen innerhalb der einzelnen und zwischen den Schulen.


1. Europäische Kommission (2018), Teachers and school leaders in schools as learning organisations: Guiding principles for policy development in school education. https://www.schooleducationgateway.eu/downloads/Governance/2018-wgs4-learning-organisations_en.pdf

2. OECD (2016), What makes a school a learning organisation? A guide for policy makers, school leaders and teachers. https://www.oecd.org/education/school/school-learning-organisation.pdf