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Lernen durch Reisen in eTwinlandia

Im Oktober 2019 nahm ich auf der eTwinning-Konferenz an der demokratischen Lernaktivität eTwinlandia teil. Ich war begeistert von den Städtenamen in eTwinlandia, weil sie alle mit unseren einzigartigen menschlichen Eigenschaften wie Fürsorge, Entschlossenheit, Zuhören und Empathie zu tun haben.

Ich habe stets versucht, positive Psychologie und Pädagogik in meinen Unterricht zu integrieren, denn wir alle sollten uns wertgeschätzt, kompetent und angenommen fühlen. Ich habe das als außergewöhnliche Chance wahrgenommen, auf eine neue und spannende Art und Weise zu arbeiten. Deshalb habe ich mich entschieden, mit meinen Schüler/innen nach eTwinlandia zu reisen.

Jede Woche wählte ein/e Schüler/in eine Stadt in eTwinlandia aus, ohne sie den anderen zu verraten. Am Tag danach brachte ich unseren eTwinlandia-Koffer mit und öffnete ihn. In dem Koffer befand sich der Name der gewählten Stadt und ein Hinweis auf das Wochenthema. Das Thema legte ich in Abhängigkeit vom Lehrplan fest. Jede Woche gab es ein anderes Thema, zum Beispiel Flaggen, Verkehrszeichen oder Berufe. Wir erforschten das Thema und eigneten uns über Recherchen und Gespräche Wissen an. Das Thema wurde stets durch einen Hinweis im Koffer eingeleitet. Die Schüler/innen fanden das sehr spannend und machten begeistert mit. Sie wollten das Thema erraten und erzählen, was sie bereits darüber wussten (oder zu wissen glaubten). Und sie stellten viele Fragen.

Eines der Themen war Flaggen. Wir sprachen über die Flagge Finnlands, darüber, dass sie blau wie der Himmel und Seen und weiß wie Wolken und Schnee ist und wie die Flaggen vieler christlicher Staaten ein Kreuz trägt. Wir fanden viele andere Flaggen mit ähnlichen Farben oder Mustern, aber auch solche, die ganz anders waren als die finnische Flagge, was zu interessanten Gesprächen über Souveränität, Demokratie, Traditionen, Religionen und kulturelles Erbe führte.

Dann begaben wir uns nach eTwinlandia. Wir begannen damit, anhand des Namens darüber nachzudenken, wie das Leben in dieser Stadt wohl ist. Wenn eine Stadt Caring Town heißt, ist den Menschen dort Fürsorge wichtig. Aber was ist Fürsorge? Wie können Menschen im Alltag fürsorglich sein? Und wie spiegeln sich diese Werte in ihrer Flagge wider?

Nach diesen Diskussionen notierten und malten die Schüler/innen ihre Vorstellungen der Stadt. Sie waren häufig sehr stolz auf ihre Ideen und genossen es, von ihren Überlegungen zu berichten.

Um die neue Stadt wirklich zu erkunden, beschäftigten wir uns in dieser Woche schwerpunktmäßig mit der menschlichen Eigenschaft, für die sie steht. Als wir in Caring Town waren, überlegten sich die Schüler/innen verschiedene Arten der Fürsorglichkeit, die wir dann eine Woche lang anwandten. Auch den Demokratieteil haben wir nicht vergessen. Wir haben über Demokratie gesprochen und abgestimmt, wenn wir eine Entscheidung über gemeinsame Aktivitäten treffen mussten.

Aufgrund von Covid-19 mussten wir, wie viele Andere auch, mitten im Halbjahr auf Online-Unterricht umsteigen. eTwinlandia gab uns das Gefühl einer gewissen Kontinuität, weil wir auch weiterhin durch das Land reisten.

Nächstes Jahr werde ich mit dem eTwinlandia-Koffer weitermachen, und ich freue mich darauf, weil ich weiß, dass meine Schüler/innen bereits darauf warten. Wir widmeten eTwinlandia vier bis sechs Schulstunden pro Woche und befassten uns mit Musik, Schreiben, Lesen, MINT und emotionalen Kompetenzen.

Eines Tages erklärte ich eine von eTwinlandia unabhängige Aufgabe und einer meiner Schüler schaute mich an und sagte: „Anne, Anne, ich weiß. Das ist Kooperation! Du willst, dass wir zusammenarbeiten, so wie in Cooperation Town.“


Reiseführer für eTwinlandia

  • Helfen Sie Ihren Schüler/innen, die eTwinlandia-Städtenamen zu verstehen. Planen Sie ausreichend Diskussionszeit ein und geben Sie Beispiele, mit denen die Schüler/innen etwas anfangen können.
  • Werfen Sie einen Blick in Ihren Lehrplan: Welche Themen sind dieses Jahr wichtig, und welche davon lassen sich gut in die Reise einbinden?
  • Machen Sie die Reise zu einem Abenteuer – binden Sie Ihre Schüler/innen ein, indem Sie ihnen Hinweise zu ihrem Reiseabenteuer geben. Nutzen Sie ein eTwinning-Notizbuch und einen eTwinning-Koffer.
  • Unterstützen Sie die Schüler/innen dabei, Vergleiche zwischen eTwinlandia und ihrem Heimatland zu ziehen. Wenn sie beispielsweise etwas über Verkehrszeichen lernen und die Zeichen für eine Stadt in eTwinlandia entwerfen, können sie darüber nachdenken, weshalb Verkehrsschilder notwendig sind.
  • Beziehen Sie sich stets auf den Namen der eTwinlandia-Stadt und beschreiben Sie die Werte und Prioritäten ihrer Bewohner/innen. Das hilft ihren Schüler/innen, ihre emotionalen Kompetenzen weiterzuentwickeln.
  • Bieten Sie vielfältige Aktivitäten an und achten Sie auf eine ausgewogene Mischung verschiedener Ansätze wie z. B. Zeichnen, Bauen, Wettbewerbe, Geschichten und Outdoor-Aktivitäten.
  • Sorgen Sie dafür, dass die geplanten Aktivitäten den Schüler/innen die Möglichkeit geben, Entscheidungen zu treffen, sowohl einzeln als auch durch Abstimmung in der Gruppe. Sie brauchen mindestens eine Aktivität pro Thema.
  • Leben und agieren Sie wie ein eTwinlander. Wenn Sie in Caring Town sind, leben Sie wie die Menschen in Caring Town und sprechen Sie vorher, währenddessen und danach darüber.
    • Tipp! Sie können auch anderen Personen in der Schule oder den Eltern davon berichten, was Sie jede Woche tun, so dass sie Sie unterstützen können, wenn sich die Schüler/innen wie eTwinlander verhalten. Unerwartetes Lob spornt die Schüler/innen noch weiter an!

Anne Levon, eTwinning-Botschafterin, S:t Karins svenska skola (Schwedische Schule St. Karins)