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eTwinning in Polen – eine kleine Dorfschule im malerischen Wieprz-Tal

Die Grundschule in Szczekarków befindet sich in der Gemeinde Lubartów im Osten Polens. Das Dorf liegt im malerischen Tal des Flusses Wieprz.

Szczekarków ist ein Vorort von Lubartów, einer hübschen kleinen Stadt mit vielen Barockbauten wie der Kirche der Heiligen Anna oder dem Parkpalast.

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Heute leben etwa 750 Menschen im Dorf. 57 Schüler/innen besuchen unsere Schule. Sie gehen in fünf altersübergreifende Klassen. Es gibt auch eine Vorschulgruppe mit 21 Kindern zwischen 3 und 5. Die Schule verfügt über acht Klassenräume mit interaktiven Tafeln, Projektoren und Bildschirmen. Außerdem gibt es eine kleine Bücherei. Die Schüler/innen nutzen darüber hinaus die Sportanlagen der Schule: eine Turnhalle, ein Fußballfeld und einen Spielplatz. 18 Lehrkräfte sind an der Schule tätig. Die meisten von ihnen unterrichten an mehreren Schulen, um auf eine Vollzeitstelle zu kommen.

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Edyta Borowicz-Czuchryta arbeitet seit 20 Jahren als Englischlehrerin. Ihr eTwinning-Abenteuer begann 2009. Sie ist als eTwinning-Botschafterin tätig. Wir haben sie nach den Herausforderungen einer Schule auf dem Land gefragt: 

Jeder bekommt mit, dass kleine Schulen wegen wirtschaftlicher Probleme schließen. Das ist traurig. Wir leben in Zeiten, in denen die Schüler/innen nicht länger der wichtigste Faktor bei solchen Erwägungen sind. Die Entfernung zwischen den Elternhäusern der Schüler/innen und der Schule ist stets ein Problem. Die Schüler/innen pendeln schon sehr früh weite Strecken zur Schule. 

Darüber hinaus ist es sehr schwierig, das Schuljahr zu planen und einen Stundenplan zu machen, der sowohl den Schüler/innen aus den verschiedenen Einzugsgebieten als auch den Lehrkräften, die an mehreren Schulen arbeiten, gerecht wird. 

Wegen der geringen Schülerzahl gibt es an ländlich gelegenen Schulen häufig jahrgangsübergreifende Klassen. Nur dank dieser jahrgangsübergreifenden Klassen können wir die Schule erhalten.  Die Lehrkräfte fühlen sich weniger allein, weil sie die älteren Schüler/innen in den Unterricht der jüngeren einbeziehen können. Die jüngeren Kinder können auch die älteren um Hilfe bitten und nicht nur die Lehrkraft. Sie lernen, einander gut zuzuhören.

Für den Unterricht in einer jahrgangsübergreifenden Klasse muss die Lehrkraft zunächst die Bedürfnisse der Schüler/innen eruieren. Aktivitäten in Kleingruppen gehören zu den besten Methoden im altersgemischten Unterricht. Die Lehrkraft kann Übungen mit dem Schwerpunkt Kommunikation konzipieren, bei denen die Schüler/innen ihre Sprachkenntnisse und ihr Wissen unter Beweis stellen und voneinander lernen müssen. Der Unterricht in einer jahrgangsübergreifenden Klasse erfordert Flexibilität, weil der Unterrichtsentwurf unter Umständen häufiger angepasst werden muss. Eine entspannte Lehrkraft ermutigt auch die Schüler/innen, sich zu entspannen und Freude am Unterricht zu haben. 

Ein großer Vorteil einer kleinen Schule auf dem Land besteht darin, dass sie direkt mit der Gemeinschaft vor Ort kooperieren kann. Mit ein wenig Anstrengung kann eine kleine Schule die Eltern leicht ins Schulleben einbinden.   

2016 haben wir uns beispielsweise an einem vom italienischen Bildungsministerium organisierten internationalen Wettbewerb beteiligt. Dank der Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft vor Ort, welche die Schule unterstützte, gingen wir als Siegerin unter den mehreren tausend Schulen aus aller Welt hervor.  Ein Jahr später machte die Schule bei einem Wettbewerb mit, bei dem es einen Spielplatz zu gewinnen gab. Wir gewannen dank der Unterstützung durch die Gemeinde. Bereits ein halbes Jahr später konnten unsere Schüler/innen den wunderschönen neuen Spielplatz neben der Schule nutzen.

Ein Ratschlag, den ich jeden Tag befolge, lautet „Es ist nicht wichtig, was die Schule hat, sondern was man aus dem, was sie bietet, macht.“ Wenn eine Lehrkraft kreativ genug ist, kann sie Wunder vollbringen.

eTwinning hat uns geholfen, das Kerncurriculum mit den Interessen der Schüler/innen zu verbinden. Das ist eine große Auszeichnung für die Schule in der Gemeinde, der Provinz, im Land, in Europa. Dank verschiedenster Projekte wurden der Schule die Titel „Schulen für Medaillen“ und „Schule in der Cloud“ zuerkannt. Nach einem der Online-Treffen mit den Kamerad/innen sagte ein Schüler: „Wow! Das ist großartig!!! Das war eine echte Englischstunde, und Englisch an sich ist ein tolles Kommunikationswerkzeug und nicht irgendein langweiliges Schulfach.“

Seit mittlerweile einem Jahr zwingt uns die Pandemie, nach sicheren Formen der Bildung zu suchen. Wir haben vor einem Jahr Office 365 in unserer Schule eingeführt.

Die Schüler/innen brauchen auch kreative Aktivitäten, um eigene Interessen und Leidenschaften zu entwickeln. Deshalb habe ich online über Teams „Poesieabende“ organisiert. Am Jahrestag des Warschauer Aufstands haben wir uns an einer Narzissenaktion beteiligt. Wir führen eTwinning-Projekte durch, die durch Aktivitäten, Kooperationen und Online-Treffen mit Gleichaltrigen eine fantastische Abwechslung in unserem Unterricht darstellen. Wir haben uns auch mit Schüler/innen getroffen, die sich Herausforderungen im Bereich Minecraft gestellt haben. Wir haben einige Nächte damit verbracht, unsere Schule, ein Baumhaus, Polen oder den Parkpalast in Lubartów online in der Minecraft-Welt nachzubauen. Bildung ist der Prozess des Lehrens und Lernens, aber es ist noch so viel mehr...