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Erziehung zur Kreislaufwirtschaft – Ein Konzept für Umweltschutz an Schulen

Wirtschaftliche Zusammenhänge als Kreislauf zu betrachten, eröffnet eine neue Sicht auf das Thema Nachhaltigkeit, die zunehmend Beachtung findet. Als Vorbild dient dabei die Natur, in der alles als Ressource für die nächsthöhere Ebene der Nahrungskette dient und keine Abfallprodukte entstehen.

Das Konzept der Kreislaufwirtschaft bildet einen Gegenentwurf zum gängigen linearen Modell aus Produktion und Konsum. Die Linearwirtschaft umfasst im Wesentlichen folgende 4 Schritte:

  • Entnahme natürlicher Ressourcen
  • Herstellung eines Produkts
  • Verwendung des Produkts
  • Abfallentsorgung, oft einhergehend mit der Verschmutzung natürlicher Ressourcen

Durch dieses Modell entsteht eine Wirtschaft, die zur Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen stark vom Verbrauch von Energien und anderen Ressourcen abhängig ist. Die Folge sind Schäden für die Natur, zu der auch wir gehören und von der wir in unseren Grundbedürfnissen abhängig sind.

Um den Ansatz der Kreislaufwirtschaft zu verstehen, ist es zunächst notwendig, Wissen, Werte, Einstellungen/Bereitschaft und Verhaltensweisen zu vermitteln, die positives Engagement fördern. Hauptziel ist dabei immer „zero waste“, also die möglichst vollständige Abfallvermeidung. Als Einstiegspunkt für die Behandlung von Kreislaufwirtschaft im Unterricht können bereits existierende Umweltthemen dienen wie Energiesparen, Abfallwirtschaft, Artenvielfalt und Klimawandel.

Bei der Vermittlung von Nachhaltigkeit an Schulen kann der Ansatz der Kreislaufwirtschaft helfen, neue Wege für aktiven Umweltschutz zu entwickeln. Er bietet die Gelegenheit, wichtige Prinzipien der Kreislaufwirtschaft als ‚ökologische Schule‘ umzusetzen und so die Vision einer nachhaltigen Welt zu stärken. Jede Schule kann mit kreativen Ideen leicht selbst einen Beitrag zu mehr Kreislaufwirtschaft leisten. Grundgedanke ist es, natürliche Prozesse nachzubilden und nicht Abfälle sondern Ressourcen zu produzieren. Dabei muss kritisch geprüft werden, welche Ressourcen in die Schule gelangen, welchen Weg sie durchlaufen und wie sie zu etwas werden, das nicht mehr gebraucht wird. Auf diese Weise kann erarbeitet werden:

  1. wie sich der Verbrauch neu planen lässt, um keine Abfälle mehr zu produzieren. Dies geschieht durch die Verwendung von Produkten und Dienstleistungen, die dauerhaft sind, recycelbare Materialien nutzen und nachgebessert werden können.
  2. wie sich kompostierbare biologische Ressourcen und Bestandteile, die wieder in ihre natürliche Form umgewandelt werden können, von anderen wiederverwendbaren oder recycelbaren Ressourcen trennen lassen. Materialien wie Metall und Kunststoff können zur Herstellung von Objekten wiederverwendet werden.
  3. wie erneuerbare Energien sinnvoll genutzt werden können, um die Abhängigkeit von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen zu verringern. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass dies auch beinhalten kann, Aufgaben per Hand oder zu Fuß zu erledigen.

Maßnahmen zur Förderung von Kreislaufwirtschaft sind:

  1. Ablehnen, was nicht benötigt wird und nicht recycelt werden kann.
  2. Reduzieren des Verbrauchs. Teilen, mieten, leihen anstelle von kaufen.
  3. Wiederverwenden und die Lebensdauer von Produkten durch Reparatur, Aufarbeitung und Upcyling verlängern.
  4. Recyceln und Weiterverwerten von Materialien wie Metall, Papier, Kunststoff usw.

Circular Economy

Als Anschauung kann ein alltägliches Produkt dienen, mit dem die Schüler/innen vertraut sind, zum Beispiel Papier. Anhand folgender Fragen kann evaluiert werden, in welchen Bereichen Kreislaufwirtschaft gefördert wird:

  1. Sind Papierprodukte aus Recyclingpapier?
  2. Wo kann der Papierverbrauch reduziert oder gar vermieden werden?
  3. Tragen die Produkte Nachhaltigkeitssiegel wie das FSC-Siegel des Forest Stewardship Council?
  4. Was geschieht mit gebrauchten Büchern - werden sie an andere Schüler/innen weitergegeben?
  5. Wie und wo kann Altpapier wiederverwendet bzw. sicher entsorgt werden?

Alle Konsumentscheidungen, die wir täglich treffen, können auf diese Weise darauf geprüft werden, ob sie eine Kreislaufwirtschaft fördern. Albert Einstein soll gesagt haben: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Die Stiftung für Umwelterziehung (engl. Foundation for Environmental Education, FEE) realisiert das Eco-Schools Project for Advancing Circular Economy (E-SPACE).

Mehr über das Projekt erfahren Sie unter: https://www.ecoschools.global/espace

Pramod Kumar Sharma, Senior Director of Education, Stiftung für Umwelterziehung (FEE)