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Österreich: eTwinning und Erasmus+ im COVID-Jahr

Internationale Kooperationen und Schüleraustausch wurden auf eTwinning verlagert.

2020 gab es etwa 180 Erasmus+-LA229/LA219-Projekte mit österreichischer Beteiligung. Die meisten Schulen hatten im Rahmen dieser Projekte Mobilitätmaßnahmen mit ihren Schüler/innen geplant und wollten Schulen in anderen Ländern oder EU-Institutionen besuchen. Leider konnten wegen der Reisebeschränkungen im Zusammenhang mit COVID viele dieser Mobilitätsmaßnahmen nicht stattfinden, so dass Hunderte Schüler/innen dieser Erfahrung beraubt wurden.

Allerdings gab es die Möglichkeit, die internationalen Kooperationen und den Schüleraustausch über eTwinning weiterzuführen, und viele Schulen nutzten dies. Tatsächlich gab es in Österreich einen deutlichen Anstieg der Zahl der gemeldeten eTwinning-Projekte mit der Anmerkung, dass sie Erasmus+-LA219/LA229-Fördermittel erhalten haben. 

„Da wir die meisten Aktivitäten in eTwinning verlagern und Treffen online veranstalten mussten, konnten mehr Schüler/innen daran teilnehmen, als dies bei einem Austausch im Rahmen eines Erasmus+-Projekts möglich gewesen wäre“, erläutert Michael Huber-Kirchberger von der Linz International Business Schools einen positiven Aspekt der Situation. Michael und seine Kollegin Elisabeth Hasiweder führen an ihrer berufsbildenden mittleren Schule, die auch zu den österreichischen eTwinning-Schulen gehört, mehrere Erasmus+- und eTwinning-Projekte durch. In ihrem Projekt „STEPS4SCHOOLS – Bildungsprojekte zu nachhaltigem Tourismus für Schulen“ arbeiten sie mit fünf anderen Schulen aus Bulgarien, Slowenien, Italien, Portugal und der Tschechischen Republik zusammen. Alle sind sehr an diesem Thema interessiert und waren enttäuscht, als der Austausch letzten März abgesagt werden musste. Allerdings haben sie ihre eTwinning-Aktivitäten angepasst und ausgeweitet. Vor kurzem führten die Schulen einen „virtuellen Schüleraustausch“ mit Interaktion zwischen den Schüler/innen, internationalen Unterrichtsstunden und sogar einer virtuellen Stadtführung durch Widin, die bulgarische Partnerstadt, durch.

Für Renate Gerber von der Sekundarschule GRG Maroltingergasse in Wien, die ebenfalls über ein eTwinning-Schulsiegel verfügt, war eTwinning immer ein wesentlicher Bestandteil ihres Erasmus+-Projekts mit einer Schule auf La Réunion: „Triple E: E-learning – E-twinning – E-rasmus“. Die Schüler/innen der Schule auf La Réunion hatten sich schon sehr darauf gefreut, ihre Austauschpartner/innen im Mai 2020 zu besuchen. Einige hatten sogar Kleider gekauft, um am Wiener Schulball teilzunehmen – doch leider machte ihnen die Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Renate sagt, der große Vorteil sei gewesen, dass nur zwei Schulen am Projekt beteiligt gewesen seien. Dies ermöglichte größere Flexibilität, die Konzeption neuer kreativer Aktivitäten im TwinSpace und die Durchführung virtueller Treffen mit den Schüler/innen etwa einmal im Monat. Sie verfolgen ihr Ziel eines bilingualen Austauschs (Französisch/Deutsch) und des Kennenlernens verschiedener Apps, die sie in ihrem TwinSpace und bei ihren Treffen ausprobieren, weiter und arbeiten auch an Berichten und Vergleichen der Situation rund um COVID in ihren jeweiligen Regionen.

Bernd Fiechtl, EU-Koordinator und Lehrer an der Sekundarschule BG/BRG Judenburg, hatte ursprünglich nicht vor, eTwinning in die Erasmus+-Projekte seiner Schule einzubinden. An Bernds Schule lernen die jüngeren Schüer/innen (7. und 8. Klasse) die internationale Zusammenarbeit über eTwinning kennen, während die älteren (9. und 10. Klasse) an Erasmus+-Projekten und -Mobilitätsmaßnahmen teilnehmen. Da das zweijährige Erasmus+-Projekt nun jedoch verlängert werden musste und die jüngeren Schüler/innen in die nächste Klassenstufe aufsteigen, werden weiterhin Workshops durchgeführt und der Austausch über eTwinning realisiert. Die Online-eTwinning-Projekte finden über den Fremdsprachen- und Erdkundeunterricht auch Eingang in das bilinguale Angebot der Schule und stärken so ihre internationale Ausrichtung.

Bei allen Interviewpartner/innen wurden die Erasmus+-Projekte um ein Jahr verlängert, und es besteht noch Hoffnung, dass zumindest einige Mobilitätsmaßnahmen möglich sein werden. In jedem Fall betonten alle (wie viele eTwinner), dass internationale Projekte trotz der komplexen Situation rund um Schulschließungen und Distanzunterricht die Mühe wert sind. Michael aus Linz hat es folgendermaßen zusammengefasst: eTwinning- und Erasmus+-Projekte motivieren die Schüler/innen. Sie sind unabhängiger und verbessern ihre Präsentations- und Sprechkompetenzen. Flexibilität, Unterstützung durch die Schulleitung und Kolleg/innen, der kreative Einsatz von eTwinning und anderen Online-Möglichkeiten sowie eine gute Zusammenarbeit mit den Partnerschulen haben sich als entscheidend für eine Fortführung der internationalen Aktivitäten auch in einem reisefreien Jahr erwiesen.

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© OeAD/Gianmaria Gava & Pablo Chiereghin