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Dürfen wir Ihnen „eTwinning-Schulen“ vorstellen? Ein Interview mit unserer pädagogischen Leiterin Anne Gilleran

Was ist eine eTwinning-Schule? Warum sollten Sie sich bewerben, und warum gerade jetzt? Im folgenden Gespräch stellt Anne Gilleran das Konzept der eTwinning-Schule vor und erläutert es.

Im Jahr 2014 fand eine große Umfrage unter eTwinning-Lehrkräften statt. Eines der wesentlichen Ergebnisse war, dass die Lehrkräfte zwar infolge der Teilnahme an einem eTwinning-Projekt große Auswirkungen auf ihre Sicherheit und ihre Praxis feststellten, dies jedoch nicht immer zu größeren Auswirkungen an ihrer Schule insgesamt führte. Aus den Antworten der Lehrkräfte wurde deutlich, dass die verwaltungstechnische Ausrichtung der Schulen in Bezug auf das Ausmaß eine wichtige Rolle spielte, in dem sie eTwinning-Methoden mit Kollegen austauschen oder diese in der täglichen Praxis umsetzen konnten. Es findet sich dort auch folgende Aussage:

„Die eTwinning-Mission für die nächste Entwicklungsphase sollte deshalb in der Übernahme einer entscheidenden Rolle nicht nur im Hinblick auf die berufliche Entwicklung der einzelnen Lehrkräfte, sondern auch darin bestehen, Schulen insgesamt bezüglich der Lehr- und Lernmethoden unabhängig von der Ausgangssituation innovativer zu machen.“[1]

Im Jahr 2015 zog das pädagogische eTwinning-Beratungsteam (eine Gruppe von Experten, die die Entwicklung von eTwinning beobachten) diese Erkenntnisse als Basis für die Untersuchung der Frage heran, wie der Fokus von eTwinning von der einzelnen Lehrkraft auf die Einbeziehung eines Teams innerhalb der Schule verschoben werden könnte, das insbesondere aus Verwaltungsfachkräften und den Schulleitern bestehen sollte. Diese wäre die Hoffnung bei der „Einführung innovativer organisatorischer Konzepte [...], um erfolgreiche neue Lehr- und Lernansätze zu implementieren, die bei eTwinning-Projekten und den entsprechenden Weiterbildungsaktivitäten des Programms entwickelt wurden.“[2]. Auf diese Weise entstand die Idee für den Titel „eTwinning-Schule“.

Wir stellten Frau Gilleran einige Fragen und freuen uns, ihre Antworten an Sie weitergeben zu können!

1. Wie glauben Sie werden „eTwinning-Schulen“ dazu beitragen, mehr Schulen für eTwinning zu gewinnen?

Der Schwerpunkt bei der eTwinning-Schule besteht nicht unbedingt darin, die Zahl der Schulen zu erhöhen, die sich bei eTwinning engagieren, sondern eher darin, die Schulen zu belohnen, die bereits großartige Arbeit leisten, vielen Lehrkräfte eine Mitarbeit ermöglichen und eine positive Atmosphäre bieten, die die Umsetzung von eTwinning in der Schule unterstützt. Bisher waren eTwinning-Auszeichnungen eher in Form von Preisen und Qualitätssiegel auf nationaler und europäischer Ebene auf einzelne Lehrkräfte ausgerichtet. Mit dem Titel „eTwinning-Schule“ soll die Anerkennung vom einzelnen eTwinner auf die Schulen ausgeweitet werden, die aktive eTwinning-Teams einsetzen sowie ein aktives eTwinning-Engagement ihrer Lehrkräfte fördern und unterstützen.

2. Welches sind die häufigsten länderübergreifenden Hindernisse, mit denen Schulen konfrontiert sind und die es verhindern, dass die Schulen den maximalen Nutzen aus eTwinning ziehen?

Das ist eine sehr weitreichende Frage. Ich glaube, dass in vielen Fällen erfolgreiche eTwinning-Aktivitäten an einer Schule vom Einsatz einer sehr engagierten und hart arbeitenden Lehrkraft abhängen, die sich, wie in der oben erwähnten Umfrage deutlich wurde, oftmals auf sich allein gestellt und isoliert fühlt. Der häufigste Grund dafür ist, dass der/die Schulleiter/-in nicht versteht, worum es bei eTwinning geht und wie es auf effektive Weise für die Förderung neuer Methoden und Kompetenzen eingesetzt werden kann, die einem Lehr- und Lernansatz für das 21. Jahrhundert besser entsprechen. Die Verleihung des Titels „eTwinning-Schule“ wird dazu führen, dass eine Anzahl von Schulen als Beispiel dient, das heißt, ihre Lehrkräfte und Schulleiter können zu einer Ressource für andere Schulen werden, die sich um die Umstellung von einem sehr traditionellen Unterrichtsansatz hin zu einer stärker einbeziehenden und kollaborativeren Praxis bemühen.

3. Laut dem Beobachtungsbericht von 2015 kommen die meisten Lehrkräfte, die an eTwinning teilnehmen, von „innovativen Schulen“[3]. Auf welche Weise hoffen Sie, dass die „eTwinning-Schule“ Innovationen an weniger innovative Schulen oder Lehrkräfte weitergibt, die in ungünstigeren Schulumgebungen arbeiten?

Der Begriff „innovative Schulen“ ist vorsichtig zu verwenden, weil es keine allgemeingültige Definition dafür gibt. Im Kontext des Berichts steht er für Schulen, die ein Engagement für innovative Methoden und die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften fördern sowie sich aktiv an internationalen Projekten beteiligen und Selbstevaluation betreiben. Um Ihre Frage zu beantworten: Ich hoffe, dass diese Schulen zu einer Mentoring-Ressource für andere Schulen in der weiter gefassten eTwinning-Gemeinschaft werden. Konkret hoffe ich, dass die Schulleiter und Verwaltungsfachkräfte an diesen eTwinning-Schulen ihre Richtlinien und Methoden ihren Kollegen zum Beispiel auf Jahreskonferenzen erklären sowie auf speziellen Konferenzen für Schulleiter, in Foren, Workshops und sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

4. Die „eTwinning-Schule“ wurde tatsächlich schon im Jahr 2006 als Schwerpunkt für eTwinning in Betracht gezogen. Warum hat es so lange gedauert, und warum jetzt? Was hat sich geändert?

Das stimmt. Im Jahr 2006 stand bei eTwinning ein Konzept im Fokus, das damals als „ganzheitlicher schulischer Ansatz“ bezeichnet wurde. Allerdings beteiligten sich 2006 nur etwa 10000 bis 12000 Lehrkräfte an dieser sehr neuen Aktivität, die den Schwerpunkt auf schulische Projektarbeit legte. Das eTwinning-Konzept als Gemeinschaft für Schulen war so noch nicht aufgekommen. Es hat 12 Jahre gedauert, bis sich eTwinning zu der Gemeinschaft entwickelte, die wir heute kennen. Im Laufe dieser 12 Jahre haben wir eine kritische Masse an Lehrkräften und Schulen erreicht, die mit ihren Schülern auf den Gebieten, die ich bereits erwähnt habe, beeindruckende Arbeit leisten: Förderung innovativer Methoden mit und ohne Technologie, Förderung der Prinzipien von projektbasiertem Lernen; Zusammenarbeit und Teamwork. Das sind die Lehrkräfte und Schulen, die ihre Pendants dazu motivieren, ihrem Beispiel zu folgen. Und das ist es, was sich geändert hat, und aus diesem Grund ist jetzt im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts die Zeit gekommen, um den Titel „eTwinning-Schule“ einzuführen.

5. Was ist für die Zukunft geplant? Könnten Eltern bei zukünftigen eTwinning-Projekten im Fokus stehen?

Eine interessante Frage! Ich würde gerne diese Umstellung zuerst konsolidieren, um die eTwinning-Schule zu etablieren und zu einer einflussreichen und positiven Kraft für das Vorantreiben der eTwinning-Werte Offenheit und interkulturelles Verständnis zu machen. In der schwierigen Welt von Heute ist dies besonders wichtig. Die Eltern werden bereits beim Konzept der „eTwinning-Schule“ insofern berücksichtigt, da eines der Kriterien für den Erhalt des Titels darin besteht, ob die Schule unter den Eltern und im lokalen Umfeld für eTwinning geworben hat.

1. 10 Jahre eTwinning, S. 49

2. 10 Jahre eTwinning, S. 51

3. Schulen, die innovative Methoden anwenden, die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften fördern, sich aktiv an internationalen Projekten beteiligen und Selbstevaluation betreiben