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Creative Classroom – das siebte Jahr einer kreativen Reise

„Creative Classroom“ kann heute auf sieben Jahre kreative Aktivität zurückblicken und ist somit die älteste eTwinning-Fokusgruppe. Mit fast 7000 Mitgliedern ist sie auch eine der größten! Wie der Name schon vermuten lässt, geht es bei der Gruppe um den Austausch von Erfahrungen und Ideen und die Teilnahme an kreativen Aktivitäten, Webinaren und Kampagnen für Lehrkräfte.

eTwinning-Fokusgruppen sind private Plattformen, auf denen eTwinner über ein spezielles Thema diskutieren und daran gemeinsam arbeiten können. Das Ziel ist der Austausch von praktischen Erfahrungen, die Erörterung von Lehr- und Lernmethoden sowie die gegenseitige Unterstützung bei der beruflichen Weiterentwicklung durch Kollegen aus ganz Europa.

Wir hatten die Gelegenheit, mit der Moderatorin der Gruppe „Creative Classroom“, Irene Pateraki aus Griechenland, zu sprechen und ihr einige Fragen zu stellen. Wir hoffen, Sie finden Ihre Antworten so aufschlussreich wie wir!

Wie glauben Sie, kann „Creative Classroom“ die tägliche Praxis der Lehrkräfte, die Mitglieder in dieser Gruppe sind, bereichern?

Die Gruppe „Creative Classroom“ ist mehr als eine Gruppe, es ist eine Gemeinschaft von Personen, die gerne neue Lernansätze ausprobieren, an Veranstaltungen teilnehmen und sich kreativen Herausforderungen stellen. Die Lehrkräfte haben hier die Gelegenheit, praktische Erfahrungen weiterzugeben und sich von den Ideen der anderen anregen zu lassen. Den Mitgliedern stehen zahlreiche nützliche Ressourcen zur Verfügung, mit denen sie ihre tägliche schulische Praxis bereichern können. Seit September werden spezielle Aktivitäten organisiert, an denen auch die Schüler teilnehmen können. Ich habe zum Beispiel im letzten September einen Posterwettbewerb über digitales Bürgertum gestartet. Schüler im Alter von 5 bis 19 Jahren nahmen daran teil und erstellten Poster in 5 Bereichen: digitaler Zugang, digitale Kommunikation, digitales Bürgertum, digitale Kompetenz sowie digitale Etikette und Sicherheit. Das Endergebnis kann hier betrachtet werden.

Könnten Sie uns bitte einige Tipps nennen, wie Lehrkräfte Schüler zu kreativen schulischen Aktivitäten motivieren und darin einbeziehen könnten, auch wenn diese nicht unbedingt Teil des Lehrplans sind?

Schüler lernen besser, wenn sie Spaß haben, aber das ist keine einfache Aufgabe für Lehrkräfte, insbesondere in der Sekundarstufe. E. De Bono hat dazu Folgendes gesagt: Kreativität heißt, etablierte Muster zu durchbrechen, um die Dinge auf andere Weise zu betrachten. Um dies zu erreichen, sollten die Lehrkräfte den Schülern Gelegenheit geben, kritisch nachzufragen, ihre Gedanken, Fragen und Ideen zu äußern, gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten, Probleme auf eine neue Weise zu betrachten und neue Ansätze auszuprobieren, um etwas zu realisieren. Sehen Sie sich dieses Video an, in dem gezeigt wird, wie wir unseren Schülern dabei helfen können, über sich hinauszuwachsen!

Die E-Bibliothek der Gruppe ist eine eindrucksvolle Sammlung aus Gedichten, Schauspielaktivitäten und Liedern und enthält sogar ein Buch über Kunst. Wie glauben Sie, können diese Materialien Lehrkräften dabei helfen, mehr Kreativität in den Unterricht zu bringen?

Die Gruppe „Creative Classroom“ ist eine Gemeinschaft für den Austausch bewährter Praxisbeispiele. Lehrkräfte veröffentlichen ihre Arbeiten, und diese stehen dann in der E-Bibliothek allen zur Verfügung. Die Lehrkräfte können sich ansehen, was die Kollegen im Unterricht tun, sich Anregungen und Ideen holen und diese mit ihren eigenen Schülern auf dieselbe oder auf andere Art und Weise umsetzen. Wir versuchen, die Arbeiten der Lehrkräfte auf verschiedenen Wegen zu verbreiten. Neben der E-Bibliothek organisieren wir jedes Jahr eine Online-Konferenz. Die Lehrkräfte haben dabei fünf Minuten Zeit, um den Kollegen ihre Projekte, Aktivitäten und Hilfsmittel zu präsentieren. Diese Veranstaltung findet an einem Samstag statt und dauert sechs Stunden. Auf der letzten Online-Konferenz stellten 30 Lehrkräfte ihre Arbeit vor, und ungefähr 400 Lehrkräfte nahmen ganz oder teilweise daran teil!

Welches sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Hilfsmittel für Lehrkräfte, um Kreativität im Unterricht zu fördern und die Schüler einzubeziehen?

Ich glaube nicht, dass man für Kreativität bestimmte Werkzeuge benötigt! Wir sind alle von Natur aus kreativ, wir müssen nur ermutigt werden, unsere Talente zu entdecken und unsere Kreativität auszuleben. Das Geheimnis ist, keine Angst davor zu haben, neue Dinge, neue Methoden und neue Unterrichtsansätze auszuprobieren. Fehlschläge können vorkommen, aber wir werden nie etwas lernen, wenn wir es nicht versuchen. Ich rate den Lehrkräften deshalb immer, Dinge zu probieren, auch wenn es so aussieht, als ob sie verrückt oder schwer zu realisieren sind. Wenn sie an ihre Ideen glauben und davon begeistert sind, werden die Schüler mitziehen, besonders dann, wenn die Idee auch für sie attraktiv erscheint. Im Moment organisieren wir zum Beispiel in der Gruppe die European Mannequin Challenge. Die Lehrkräfte wurden gebeten, ein entsprechendes Video mit ihren Schülern einzusenden, damit ein gemeinsames European Mannequin Challenge-Video zur Feier des Europatags erstellt werden kann! Bisher haben wir 50 Beiträge aus 17 Ländern, und in vielen Fällen wurde diese Aktivität in ein eTwinning-Projekt integriert.

Eine interessante Kategorie in der Creative Classroom-Gruppe sind die Expertengespräche. Können Sie uns mehr über diese Veranstaltungsreihe und ihre Auswirkungen sagen?

Ich habe im Jahr 2011 damit begonnen, Expertengespräche zu organisieren und versuche, jeden Monat eines durchzuführen. Am Ende des Schuljahres werden die Mitglieder gebeten, ein Auswertungsformular bezüglich der Aktivitäten der Gruppe auszufüllen und Themen für das nächste Jahr vorzuschlagen. Auf der Basis ihrer Interessen versuche ich dann, weltweit Experten zu finden, die bereit sind, ihre Sachkenntnis mit den Mitgliedern der Gruppe zu teilen. Ich glaube, das ist wirklich eine großartige Gelegenheit für alle, etwas über andere Ansätze, neue Hilfsmittel und Bildungsaktivitäten zu erfahren, die überall auf der Welt realisiert und angewendet werden. Bisher hatten wir eine beeindruckende Auswahl von Experten, u. a. von der Houston University, der Harvard University und der University of Queensland. Zu den behandelten Themen gehörten Filmproduktion, spielebasiertes Lernen, digitale Comics, Drama, innovativer Unterricht, mobile Bildung, Medienkompetenz, Programmierung, LEGO-Technik, Kreativität, digitales Geschichtenerzählen, kulturelle Vielfalt, digitales Bürgertum etc. Die einstündigen Veranstaltungen liefern zahlreiche neue und kreative Ideen. A. Einstein drückte es so aus: „Kreativität ist ansteckend. Gib sie weiter.”