
Sprache bringt Menschen zusammen. Das Erlernen einer Fremdsprache hat viele berufliche Vorteile, doch mit Menschen eines Nachbarlandes kommunizieren zu können, bringt ungeahnte kulturelle Vorteile mit sich. In vielen Fällen ist die Kommunikationssprache zwischen Menschen unterschiedlicher Länder keine Muttersprache der Beteiligten. Bei eTwinning machen viele Schulen aber genau das Gegenteil: Sie lernen die Sprache ihrer Nachbarländer um sich auf unterschiedlichen Ebenen besser verständigen zu können.
eTwinning Projekte zwischen benachbarten Ländern sind ideal für das Erlernen einer Fremdsprache. Sie ermöglichen es den SchülerInnen nicht nur ihre kognitiven, sondern auch ihre sozialen und akademischen Fertigkeiten zu verbessern. Sabina Vecchione Gruener ist Lehrerin. Als Deutschlehrerin in Triest, die auch Serbokroatisch und Slowenisch studierte, schätzt sie die Sprachen ihrer Nachbarländer sehr und ist Pionierin was das Erlernen von Nachbarschaftssprachen betrifft. Als wir sie fragten, welche Sprache sie unterrichtet, hat sie lange überlegt, bevor sie antwortete: “Na ja… Ich unterrichte Deutsch. An der Universität habe ich Fremdsprachen - vor allem Deutsch, Serbokroatisch und Slowenisch - studiert. Ich erwähne das deshalb um zu zeigen, dass mir schon damals bewusst war, dass mein Heimatland viele Nachbarländer hat. Ich lebe in einem multikulturellen Land und dieses Bewusstsein habe ich mir all die Jahre bewahrt.”
In Bezug auf ihre aktuelle Lehrerfahrung ist Sabina der Meinung, dass ihre SchülerInnen viel von ihrem Unterricht profitieren - nicht nur in sprachlicher, sondern auch historischer Hinsicht. “Deutsch in Triest zu unterrichten ist etwas Spezielles, denn Triest hat eine enge Beziehung zur germanischen Kultur: Es war Hunderte Jahre Teil des Habsburger Reiches. Dieser historische Hintergrund spiegelt sich im Dialekt, in den kulinarischen Traditionen, in verschiedenen Ausdrücken, etc. wider.”
Im Rahmen des eTwinning Projekts haben die SchülerInnen derartige historische Hintergründe für sich entdeckt. Sabina ist der Meinung, dass das Projekt für viele Jugendlichen auch eine gewisse Art der Selbsterfahrung war. “[…] Zum Beispiel entdeckten die SchülerInnen verschiedene deutsche Wörter, die auch wir verwenden, oder österreichische Speisen, die auch bei uns Spezialitäten sind. Dadurch erlebten wir unseren Nachbarn als Teil von uns.”
Sabinas eTwinning Partnerin Cornelia Esterl ist Österreicherin und unterrichtet Italienisch in Klagenfurt. Für Cornelia ist das Erlernen der Sprache eines Nachbarlandes auf unterschiedlichen Ebenen wichtig. “Nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kulturelle Gründe erklären, weshalb man die Sprache eines Nachbarlandes sprechen sollte. Im Rahmen des Projekts erfahren die SchülerInnen die Sprache nicht nur als Unterrichtsfach, sondern erleben sie als Teil einer Kultur, an der sie auch teilhaben können.” Eine gemeinsame Grenze bedeutete aber auch, dass sich Cornelias und Sabinas SchülerInnen persönlich treffen konnten. Dadurch waren sie noch motivierter, Deutsch und Italienisch zu lernen - sie wurden so zu internationalen Reisenden und internationalen KommunikatorInnen.
Signe Sloth unterrichtet in Dänemark. Sie und ihre SchülerInnen haben mit einer Schule in Schweden zusammengearbeitet und die Sprache des Partners anhand von Liedern, Tänzen und Literatur gelernt. Obwohl Schwedisch und Dänisch zur selben Sprachfamilie gehören, mussten die SchülerInnen erst motiviert werden, die Nachbarsprache zu lernen. “Dänisch und Schwedisch sind sehr ähnlich. Doch lediglich 2 oder 3 von 20 SchülerInnen einer Schulklasse waren schon mal in Schweden. […] Sie wissen rein gar nichts über die schwedische Sprache und denken, dass sie sie überhaupt nicht verstehen. Eines der Ziele war es, die andere Sprache zu verstehen. Deshalb war es auch verboten, während des Projekts Englisch (eine Sprache, die beide Gruppen sprechen) zu sprechen.”
Ria de Wilde, aus Belgiens flämischer Gemeinschaft, erklärte, dass Französisch zu lernen für die SchülerInnen sehr unterhaltsam war. Sie konnten dadurch mit ihren PartnerInnen über das gemeinsame Interesse "Fair Trade" diskutieren. “Die französischen SchülerInnen haben einen Artikel über das Thema verfasst. Unsere SchülerInnen lernen Wirtschaftsfächer und waren an dem Thema aus einem anderen Blickwinkel interessiert. Gemeinsam diskutierten wir über fairen Handel und lernten gleichzeitig die Sprache.” Durch die Konzentration auf ein gemeinsames Thema konnte das Interesse und das Engagement der Jugendlichen geweckt werden.
Bei den Projekten von Sabina, Cornelia, Signe und Ria entdeckten die SchülerInnen anhand der Sprache das Ähnliche im Unterschiedlichen. SchülerInnen, die noch nie jemanden aus dem Nachbarland getroffen hatten stellten plötzlich fest, dass die Partner die gleiche Geschichte teilen, die selbe Musik hören, die selben Filme sehen und in manchen Fällen sogar die gleichen Redewendungen verwenden - einige davon sind sogar innerhalb des eigenen Landes nicht gebräuchlich. Durch die Überwindung von Grenzen können LehrerInnen und SchülerInnen neue Fertigkeiten und Wissen erwerben und - was am wichtigsten ist - neue Freundschaften schließen.
Zusätzliche Informationen:
- Informieren Sie sich über das siegreiche eTwinning Projekt 2011 in der speziellen Kategorie Sprache eines Nachbarlandes
- Sehen Sie ein Video der europäischen Kommissarin Androula Vassiliou über die Bedeutung der Mehrsprachigkeit
- Hören Sie eine eTwinning Audio-Podcast Lektion mit Paddy Carpenter über Fremdsprachenlernen
- Informieren Sie sich über die aktuellen mehrsprachigen Aktivitäten der Europäischen Union
- Testen Sie Ihr Fremdsprachenwissen im Sprachenquiz

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